Masernzahlen steigen

Nach dem erneuten Ausbruch der Masern an einer Waldorfschule in Düsseldorf steigt die Zahl der Erkrankungen wieder an. Wie das Gesundheitsamt in Düsseldorf mitteilte, sind inzwischen 30 ungeimpfte Kinder dieser Schule an Masern erkrankt. Da viele Kinder an dieser Schule keinen Impfschutz haben, rechnen Experten mit einer weiteren Ausbreitung der hoch ansteckenden Virusinfektion. Insgesamt sind damit seit Anfang des Jahres laut Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (LÖGD) in Münster in Nordrhein-Westfalen (NRW) weit mehr als 200 Kinder erkrankt – die höchste Zahl an Erkrankungen in ganz Europa (bundesweit über 360 Fälle).

Es ist traurig, dass wir nach der verheerenden Masernepidemie des letzten Jahres mit zwei toten Kindern und vielen Kindern, die mit Komplikationen in Krankenhäusern behandelt werden mussten, wieder eine solche Häufung dieser gefährlichen Erkrankung in unserem Bundesland haben. Und das – trotz der Tatsache, dass die Behörden vor Ort – im Gegensatz zum letzten Jahr – viel konsequenter handeln. Dennoch ist es offensichtlich, dass die Impflücken – vor allem bei Jugendlichen – sehr groß sind und wir diese auch nicht schließen können, denn im Alter von 12-16 Jahren gehen Jugendliche erfahrungsgemäß nur selten zum Arzt. Deshalb ist eine Eindämmung der Masern auch so schwierig“, berichtet Dr. Thomas Fischbach, Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in NRW. „Um eine gezielte Impfaktion durchführen zu können, müsste man den Impfstatus der Schüler kennen. Leider ist dieser selten bekannt, und auch eine Impfpasskontrolle bringt oft keine vollständigen Ergebnisse. So tappen Mediziner und Behörden trotz großer Anstrengungen meistens im Dunkeln“, verweist Fischbach auf die Ergebnisse einer groß angelegten Impfpasskontrolle des Kreises Mettmann. Bei dieser wurden über 57.000 Schülern des Kreises überprüft. Bei fast 20.000 Schülern konnte bis heute kein Impfstatus festgestellt werden, da die Impfpässe – aus den verschiedensten Gründen – noch nicht gesehen werden konnten. 868 Schülern waren nachweislich noch nie gegen Masern geimpft worden. Impfstatuskontrolle vor dem Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung Um so gravierende Impflücken zukünftig zu verhindern, fordert der Verband der Kinder- und Jugendärzte seit Jahren, dass der Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung in Deutschland – wie in vielen anderen Ländern – zwingend an den Nachweis des vollständigen Impfschutzes gekoppelt ist. „Diese Regelung sollte für jede Gemeinschaftseinrichtung in Deutschland vorgeschrieben und auch gesetzlich verankert sein. Ich kann nicht verstehen, dass Politiker in unserem Bundesland einerseits öffentlich eine Impfpflicht in Erwägung ziehen, aber gleichzeitig bei neuen Gesetzentwürfen zulassen, dass Kinder mit unbekanntem Impfstatus immer noch Gemeinschaftseinrichtungen besuchen dürfen. Der Entwurf des neuen Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in NRW sollte deshalb umgehend dahingehend ergänzt werden, dass bei der Aufnahme in den Kindergarten zukünftig immer der Impfstatus kontrolliert werden muss. Ansonsten sind die nächsten Masernepidemien schon vorprogrammiert“, kritisiert Fischbach den neuen Gesetzentwurf, der dem Parlament bereits vorliegt. „Deutschland hat sich verpflichtet, das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern bis zum Jahre 2010 zu eliminieren, zu erreichen. Jetzt kann die Politik wirklich zeigen, ob sie das öffentlich und international verkündete Anliegen tatsächlich ernst meint, oder ob man hierzulande weiterhin den – durch Impfung vermeidbaren – Tod von Kindern billigend in Kauf nimmt. Es kann nicht sein, dass sich Kinder, die z.B. aufgrund des Alters oder einer vorliegenden Immunerkrankung nicht geimpft werden können, in Gemeinschaftseinrichtungen des Staates den Tod holen. Daher ist die vom BVKJ geforderte Maßnahme – die im englischsprachigen Raum auch „no vaccination – no school“ genannt wird – der einzige Weg, die Menschenrechte der Kinder in Deutschland auf Gesundheit und Leben einzulösen. Alle Experten wissen das – es liegt jetzt an der Politik, die notwendigen Maßnahmen zu treffen“, unterstützt Univ.-Prof. Heinz-Josef Schmitt, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI), das Anliegen des Ärzteverbandes. Die STIKO empfiehlt zwei Masernimpfungen ab dem 11. Lebensmonat im Abstand von 4 Wochen – in Kombination mit der Mumps-, Röteln- und Windpockenimpfung.

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